Susanne Haun

Alexandria und die Versuchung des heiligen Antonius – Zeichnungen von Susanne Haun

„Die alexandrinischen Kaufleute segeln an Festtagen auf dem Kanopus und trinken Wein aus Lotoskelchen beim Lärm der Tamburine, von denen die Schenken längs dem Ufer erdröhnen.“
Faubert in der Versuchung des heiligen Antonius

Dieses Zitat war nicht einfach für mich, denn ich bin noch nie in Alexandria gewesen. Vor 20 Jahren war ich allerdings in Ägypten, eine Stundentenreise, gebucht direkt bei einem Ägypter in der Sonnenallee. Es war eine der schönsten Reisen meines Lebens, denn wir wurden von ägyptischen Reiseführern direkt vor Ort herumgeführt, wohnten in wirklichen ägyptischen Hotels und erfuhren viel von Land und Leuten. Oft frage ich mich, wie heute nach 20 Jahren die Orte, die wir besichtigten wohl aussehen?

Blatt 22 trinken Wein aus Lotuskelchen (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 22 trinken Wein aus Lotuskelchen (c) Zeichnung von Susanne Haun

Wir waren damals auch in einem Zelt auf dem Land zu einer Feier eingeladen. Möglich, dass meine heutigen Zeichnungen stark von damals beeinflußt sind.

Blatt 18 Beim Lärm der Tamburine (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 18 Beim Lärm der Tamburine (c) Zeichnung von Susanne Haun

In der vergangenen Woche habe ich das erste Mal vom Begriff der „Lautmalerei“ gehört. Ein interessantes Wort mit großer Bedeutung. Eigentlich heißt der korrekte Begriff Onomatopoesie, aber ich denke, mit dem deutschen Wort haben wir eine bessere Vorstellung davon, was gemeint ist.  Trotzdem die Erläuterung zum Wortstamm: Ónamo ist aus dem griechischen und bedeutet Name, poíēsis bedeutet die Erschaffung und Herstellung.

Die Bedeutung der Lautmalerei ist, z.B. Geräusche bildnerisch oder literarisch darzustellen. Die größte Herausforderung ist die Darstellung von Göttern durch Literatur oder Bildender Kunst. Auch diese Arbeit fällt unter den Begriff  Onomatopoesie.

Ute Schätzmüller und ich stellen uns der Frage der Lautmalerei. Wie stellen wir die Heiligkeit des Antonius dar? Wie die Geräusche der Tamburine? Hatte es Flaubert mit Worten einfacher als wir mit der Zeichnung?

Die Problematik ist mir erst richtig bewußt geworden, nachdem wir an der FU die „Olympische Rede: Phidias‘ Wettstreit mit Homer“ diskutiert haben.

Eine kleine Sammlung, welche Kriterien für die Darstellung des göttlichen gelten.
– Schrecken und Erstaunen durch Effekte wie Größe (wenn Phidias Zeus aufsteht, sprengt er das Dach des Tempels)
– Materialien wie Elfenbein und Gold
– Die Farbe weiß, das blendende, ist göttlich, sie reflektiert das Licht
Es gibt sicher noch mehr Möglichkeiten, ich denke darüber nach.

Wenn ihr mehr von dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier.

Blatt 21 Die alexandrinischen Kaufleute (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 21 Die alexandrinischen Kaufleute (c) Zeichnung von Susanne Haun

Nicht vergessen! Bis heute Mitternacht könnt ihr euch hier noch an der regen Diskussion über die Präsentation von Kunst beteiligen.

For my english reader:
Today I explain the next quote from the book of Flaubert „The temptation of Saint Antonius“.
„The Alexandrian merchants sail on on the Canopus and drink wine from the blossum of lotus in noise of tambourines from the taverns which resound along the shore.“
It was difficult to draw because I never was in Alexandria but 20 years ago I was in Egypt and that helps me.


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Quelle:
Gustav Flaubert, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996
Dion Chrysostomos‘ Olympische Rede: Phidias‘ Wettstreit mit Homer

15 Antworten

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  1. Mathilda said, on 27. Oktober 2012 at 17:03

    Immer wieder kann ich nur staunen, wie detailgenau du zeichnest, das fasziniert mich, deswegen kann ich manchmal nur ein like klicken, da ich nicht mehr weiß, was ich noch schreiben könnte *g*. Super ♥

    • Susanne Haun said, on 27. Oktober 2012 at 17:32

      Danke, Mathilda, ich freue mich über die Likes… sie sagen mir, du warst da und hast geschaut!

  2. ute schätzmüller said, on 27. Oktober 2012 at 18:17

    Das wusste ich, dass du mit diesem Satz irgendwie dann doch sehr gut zerecht kommen wirst! Noch wärend ich ihngezeichnet habe gestern… Es ist ein richtiger „Susanne Satz“ und der Satz, von denen die du mir geschickt hast, vor dem ich gestern kapituliert habe, nachdem ich die Skorpione und Adler noch besser als erwartet gemeistert habe. 😉

    Die guten und das eine missratene Ergebniss zeige ich morgen im blog…

    Beste Grüße Ute

    • Susanne Haun said, on 28. Oktober 2012 at 07:56

      Liebe Ute,

      da freue ich mich auf deine Blätter heute.

      Magst du mir auch wieder Sätze schicken? Es ist noch viel spannender, wenn ich mit deinen Sätzen klar kommen muss 🙂

      Du kannst auch welche zwischen meinen wählen.

      Lg Susanne

      • ute schätzmüller said, on 28. Oktober 2012 at 08:44

        Ja liebe Susanne, das habe ich vor. Nur die letzten Wochen waren sehr stressig und ich habe es kaum geschafft überhaupt etwas für den Blog oder den Antonius oder überhaupt zu tun. Jetzt sind wir das erste Mal seit gefühlter Ewigkeit wieder mal ein Wochenende zu hause und natürlich gibt es auch hier jetzt so viel zu tun – Kinder fordern natürlich auch endlich nochmal ihre Mama und ihren Papa…

        Aber gerade ist es ruhig, der eine schläft und der andere spielt mit seiner Bahn – vielleicht suche ich dir glaich mal was raus. Ich muss nur sehen, dass ich mit dem zeichnen hinterher komme 😉

        Lg Ute

        • Susanne Haun said, on 28. Oktober 2012 at 10:33

          Ja, ich erinnere mich noch, wie ich jede Minute nutze, als mein Sohn noch klein war und mich physikalisch anwesend brauchte.
          Nun braucht er mich immer noch aber ich habe keine Anwesenheitspflicht mehr!
          LG Susanne

          • ute schätzmüller said, on 28. Oktober 2012 at 12:39

            Ja, wenn beide Kinder da sind, habe ich von morgends bis abends einen anderen Job, ich kann nur schwer nebenbei irgendwo meine Kunstsachen aufbauen und zeichnen oder malen oder so, denn entweder, ich muss die Sachen ständig unterbrechen, oder, noch kniffeliger, die Zwerge möchten dann mitmalen… 🙂

            • Susanne Haun said, on 28. Oktober 2012 at 13:55

              Die Fotos, wie dein Sohn mit dir das Bodenbild gamalt hat, das war aber toll.
              Ich habe auch noch Fotos, wo mein Sohn vor der Staffelei steht und mitmalt.
              Ich denke gerne daran zurück. Es war so schnell vorbei. :-9 Nun ist er erwachsen und hat selber ein volles Programm.

              Aber ich weiss auch noch, wie ich die ruhigen Minuten genossen habe!

              • ute schätzmüller said, on 28. Oktober 2012 at 17:23

                Klar, dass ist toll und ich mache das auch gerne, nur kann ich eben nicht gleichzeitig gemeinsam malen und mit meinen Kindern malen, dazu sind sie zu fordernd und ich, wenn ich male, zu wenig anwesend 😉

  3. sabine Oetjen said, on 28. Oktober 2012 at 08:31

    Diese Zeichnungen gefallen mir richtig gut. Ägypten ist eins der Länder die ich in meinem Leben auch noch bereisen möchte.
    Einen schönen Sonntag wünscht Bine

    • Susanne Haun said, on 28. Oktober 2012 at 10:32

      Danke, Bine, ich möchte auch noch einmal nach Ägypten. Es steht neben Chile, USA, Alaska und Japan ganz oben auf meiner Liste.
      Dir auch einen schönen Sonntag, Susanne

  4. […] noch ein Paradebeispiel für einen Satz nach Susannes Art, zu dem sie gestern auch sehr schöne Zeichnungen veröffentlichte,  und vor dem ich nach einem missratenen Versuch kapituliert habe. Dieser Satz ist […]

  5. Ernst said, on 1. November 2012 at 15:03

    Ich finde deinen Beitrag über Flauberts „Die alexandrischen Kaufleute segeln…“ und wie Du deine Vorstellungen über jene Zeit in deinen Zeichnungen umgesetzt hast, sehr interessant. Wobei Dir dein Aegyptenbesuch vor 20 Jahren sicher geholfen hat. Deine Zeichnungen bereiten mir jedesmal grosse Freude. Ich muss meine Betrachtungen bei Dir beschränken, es fehlt mir einfach Zeit.

    So, wie Du Vorstellungen zeichnerisch ausdrückst, so möchte ich von früheren Reisen, erzählen. Ich finde, dass damalige Zeiten es wert waren, beschrieben zu werden. So wie es Dir sicher nicht in den Sinn kommen würde, alte Zeichnungen zu überarbeiten, um sie der Neuzeit anzupassen.
    Deshalb möchte ich auch nie an einen Ort zurück, an dem ich vor vielen Jahren war, weil meine Enttäuschung über all die Veränderungen, gleich welcher Art, zu gross wäre. So, genug für heute.
    Viele Grüsse. Ernst

    • Susanne Haun said, on 2. November 2012 at 08:55

      Danke für dein Lob, Ernst.

      Ich finde es auch immer interessant, die Vergangenheit zu erforschen.
      Aber ich habe festgestellt, dass die unmittelbare Vergangenheit, also die letzten 20 Jahre auch schon viel Interessantes hervorgebracht hat.

      Gestern habe ich mit einer Studentin über den Begriff der „Authentizität“ diskutiert und ob er heute noch anwendbar ist.
      Dabei ist das doch eines der höchsten Eigenschaften eines Künstlers, authentisch oder man selber zu sein.
      Ich kann mich von diesem Begriff noch nicht lösen, hat er doch auch etwas mit meiner Handschrift zu tun.

      Viele Grüße sendet dir Susanne

  6. […] war in Gedanken bei der Lautmalerei, über die Ute und ich in den letzten Tagen diskutierten (siehe hier und […]


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