Tagebucheintrag 19.01.2021, Kommunikation, 20 x 15 cm, Tinte und Aquarell auf Silberburg Büttenpapier, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Zitat am Sonntag – Walter Benjamin

Da das Auge schneller erfaßt, als die Hand zeichnet,
(…) wurde der Prozeß bildlicher Reproduktion so ungeheuer beschleunigt,
dass er mit dem Sprechen Schritt halten konnte.

Walter Benjamin, 1892 – 1940, deutscher Philosoph, Kulturkritiker und Übersetzer der Werke von Honoré de Balzac, Charles Baudelaire und Marcel Proust


Quelle: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Frankfurt am Main, 1977 (4), S. 11.

Ich frage mich, ob das Bild die neue Sprache sei? Man denke nur an Instagram.

Tagebucheintrag 19.08.2020, Was vermag Sprache zu tun, 20 x 15 cm, Tinte und Buntstift auf Silberburg Büttenpapier, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Tagebucheintrag 19.08.2020, Was vermag Sprache zu tun, 20 x 15 cm, Tinte und Buntstift auf Silberburg Büttenpapier, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2020

8 comments

  1. Sprache spricht andere Bereiche durch das Gehör an, als Bilder über die Augen wieder andere unseres Gehirns
    wobei noch viele andere Bereiche eine Rolle spielen.ein interessantes Thema.Unsere Sinne sind nicht mehr so geübt, der Nachhall,, das Nachdenken über Gehörtes und Gesehenes wird stark vernachlässigt. Was ist wichtig für eine Person und was nicht. Eine Kurzfassung von mir. ……..

    1. Danke für die Kurzfassung ☺️
      Das Nachdenken über gehörtes und gesehenes und gelesenes ist besonders wichtig, denn so festigen sich die Gedanken und gehen nicht verloren.
      Liebe Grüße von Susanne

  2. Dazu fällt mir nur mein eigener Kommentar ein:

    http://art.arminrohr.de/2019/03/12/nachts-bei-tage/

    Bilder sind wahrscheinlich u. a. eine Form der Selbstvergewisserung. Das trifft wahrscheinlich sowohl auf Zeichnungen, Gemälde & auch Fotografien zu. Zumindest sind Bilder eine Sprache, in der sich Kunstschaffende versuchen, auszudrücken. Allerdings werfen sie meistens Fragen auf, die Antworten liegen im Auge des Betrachters.

    1. Ja, Armin, da hast du recht. Ich denke, das ist bei Worten ebenso der Fall, dort meint nur jeder alles sofort zu verstehen und achtet nicht auf die Nuancen der Texte ☺️😉

  3. Benjamin bezieht das auf den Film. Die schnelle Abfolge der Einzelbilder im Film ist dem menschlichen Auge angepasst. Als man noch mit der Hand gezeichnet hat, war ein Film aus 24 Einzelbildern pro Sekunde praktisch unmöglich ((obwohl natürlich im Bereich des Zeichentrickfilms so gearbeitet wurde…))). Die Technik, also die Entwicklung der Kamera, die 24 Bilder pro Sekunde aufnehmen konnte, hat dann den „Prozess bildlicher Reproduktion“ so sehr beschleunigt, dass die Abfolge von Einzelbildern dem Sprechen und der Wahrnehmung durch das Auge angepasst ist. —- Benjamin will in dem Aufsatz immer darauf hinaus, wie sehr die moderne Technik die Kunst verändert hat. Letztlich will er immer sagen, dass die Kunst, das Einzelbild, ihre „Aura“, wie er sagt, verloren hat. Das Verharren und Sich-Versenken in ein einzelnes Bild hält er für nicht mehr zeitgemäß. Für leider nicht mehr zeitgemäß.

    1. Schwer zu sagen, Martin, er leitet den Satz ein mit der Reproduktion durch die Lithographie und der Photografie: „Mit der Photographie war die Hand im Prozeß bildlicher Reproduktion zum ersten Mal von den wichtigsten künstlerischen Obliegenheiten entlastet, welche nunmehr dem Objektiv blickenden Auge alleine zuviel.“ (S. 10 – 11). Dann folgt das hier geschriebene Zitat und erst dann geht er zum Filmoperateur über.
      Hast du das Buch zur Hand?
      Ich verstehe Benjamin so dass mit der Photografie ein „zweiter Künstler“ das Kunstwerk durch die ihm eigene Sicht der Wahl des Ausschnitts verändert.
      Mit dem Verlust der Aura fragt er auch nach der nun wichtigen Ausstellungstauglichkeit von Kunstwerken und was es bedeutet, Kunstwerke vom Ort der Produktion zu entfernen.
      Ich fürchte, heute ist das Verharren und Sich-Versenken in Kunstwerken noch mehr in den Hintergrund gerutscht. Alles ist ein Event und muss schnell, schnell vonstatten gehen.
      Es ist tatsächlich immerwieder spannend, Benjamin zu lesen.
      Danke für die Diskussion, Martin.

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